Um Tao Kreibich und seinen unbegrenzten Mut abseits der Ski-Pisten zu beschreiben, reichen Worte nicht aus. Vielleicht greift der sympathische Freerider deshalb regelmäßig zur Kamera, wenn er in den entlegensten Orten die Berge mit seinen Ski unsicher macht. In der Portrait Story spricht Tao mit uns über kalkuliertes Risiko abseits der Piste, seine Beweggründe den Wettkampfsport zu verlassen und welchen Kindheitstraum er sich erfüllt.
Auf einmal geht alles doch ganz schnell, Tao hat schon früher Zeit für ein Interview und ruft per Video vom Flughafen-Gate aus Georgien an. Seine Locken schauen unter der Mütze hervor, im Hintergrund checken bereits die ersten Passagiere ein. Er komme gerade von der Freeride-Worldtour: “Die Bedingungen in Georgien waren nicht so einfach, Springen war schwierig und Lawinen waren auch ein Thema”. Früher ist Tao auch bei der Competition am Start gewesen, heute sichert er die Piste vor dem Wettkampf und prüft vor dem Start die Bedingungen am Berg. Gibt es ein erhöhtes Risiko für Lawinen? Sind die Sprünge über Felsen machbar? Die Organisatoren werden von ihm per Funk benachrichtigt.
Gestartet hat Tao als Rennskifahrer in Skischulen und Internaten, doch mit 16 macht ihm der starke kompetitive Aspekt keinen Spaß mehr. “Ich habe dann die Freeride Worldtour entdeckt und verfolgt und fand das cool. Bei mir am Arlberg saß ich dann mal mit einer Fahrerin im Lift und habe mich mit ihr über diese Events und das Freeriden unterhalten. Das hat mich sehr inspiriert und ich bin wenig später bei der Junior Competition mitgefahren, die gleichzeitig zur Worldtour stattfand. Das habe ich sofort geliebt. Der Vibe ist ganz anders, die Kids sind alle sehr freundlich zueinander, nach der Competition ist man zusammen weiter Ski gefahren. Das komplette Gegenteil vom Skirennen, da gab es kaum Freundschaften, das hat der Wettkampf gar nicht zugelassen, selbst mit meinen langjährigen Mitbewohnern im Internat und Trainingspartnern waren wir immer noch mehr Konkurrenten.”
Beim Freeriden abseits der präparierten Pisten geht es auf einer abgesteckten Strecke mit dem Snowboard oder den Ski bergab, mit einer Hangneigung von 40 bis 50 Grad. Dabei kommt es vor allem auf die Fahrlinie und den flüssigen Bewegungsrythmus, aber auch auf die Schwierigkeit der meterhohen Sprünge über hervorragende Felsen an. Dabei ist das Mitführen von Sicherheitsausstattung vorgeschrieben und die Pisten werden vorher von Lawinenexperten freigegeben. “Beim Freeriden hat mich von Anfang an die Community unter den Fahrer:innen fasziniert – alle sind supernett. Es heißt: Ich-gegen-den-Berg anstatt Ich-gegen-die-anderen. Alle anderen freuen sich, wenn jemand einen coolen Run runtergebracht hat das hat mich gepackt und ist auch heute noch so.”
Dabei gibt es natürlich immer ein Restrisiko. Auf einem Drohnenvideo sieht man keinen Stein, der 5cm unter dem Schnee versteckt ist. Tao hat über die Jahre ein Auge dafür entwickelt, um das besser einzuschätzen. Anhaltspunkte sind für ihn Bäume oder Felsen, die eine besondere Form haben, sogenannte Exit Safe Spots – also Punkte, an denen er im Falle einer Lawine stehen bleiben kann. Das spektakulärste sind dann die Sprünge.
Die Sportart erfährt immer mehr mediale Aufmerksamkeit. 2026 soll erstmals eine Weltmeisterschaft im Freeriden stattfinden, in den nächsten Jahren sollen die Fahrer:innen erstmals bei den Olympischen Winterspielen an den Start gehen. “Ich bin nicht so der Fan davon, dass es olympisch werden soll. Der Sport entwickelt sich von alleine. Die Fahrer werden schon von alleine noch jünger und zeigen krassere Sprünge. Die Worldtour bekommt mehr mediale Aufmerksamkeit. Ich habe bei allem das Gefühl, dass bei der Vermarktung wenig bei den Athleten selbst hängen bleiben wird.” Es zeichnet sich ein Spagat ab, den ursprünglichen Gedanken der Sportart beizubehalten und ein organisches Wachstum zuzulassen.
Nach 2 Jahren als Fahrer auf der Worldtour geht nun auch Tao neue Wege.
Tao kann seine Kreativität abseits der World-Tour noch besser in Form von eigenen Videos auf seinem YouTube-Channel “Life of Tao” darstellen, die er zusammen mit Kameramann Gabriel in den verschneiten Bergen dreht. Einen geplanten Kalender hat der Österreicher dabei nicht. “Das passiert spontan, da jeder Winter anders ist. Wichtig ist nur, dass Schnee liegt und ob ich vor Ort bereits jemanden kenne oder ich einen Kontakt zu Einheimischen bekomme. Dann packen wir die Kamera ein und fliegen los. Den Rest mache ich mit Wetter- und Karten-Apps, um mir die Gegend anzuschauen. Eine Drohne haben wir auch immer dabei, um uns vor Ort am Berg zu orientieren. Ich habe gelernt spontan zu bleiben, das funktioniert am besten”. Gestartet wird oft mit den Touren-Ski, solange den Berg hinauf bis sie nicht mehr vorwärtskommen. “Dort wo keine Spuren im Schnee zu sehen sind und noch niemand gefahren ist: Das finde ich spannend. In schwer zugänglichem Terrain bringt sie sonst der Helikopter auf den Gipfel.
Das schwierige daran: Die Sprünge müssen auf Anhieb sitzen und qualitativ hochwertig in der Ausführung sein. Egal ob Backflip oder threesixty, es bleibt nicht viel Zeit, den Sprung zu filmen. “Es ist schon komisch, früher in den Competitions ging es darum, Sprünge mehrmals zu üben und sich dann zu steigern. Immer mehr Speed aufbauen und noch flacher landen. Jetzt hat sich das geändert. Ich fahre weniger Ski und die Runs müssen qualitativ hochwertiger sein. Irgendwo ist es meine Routine, aber manchmal muss ich auch wieder Sprünge und Tricks üben (lacht). Ich bin auf der Explorer Seite, ich möchte neue Berge befahren, auf denen noch niemand oben war und keiner gedacht hat, dass man da überhaupt Skifahren kann. Das reizt mich sehr.”
Für Tao ist kein Weg zu weit, um Neues zu entdecken. Japan, Patagonien, Libanon, Chile - überall strebt Tao nach neuen Abenteuern und Erlebnissen über den Wolken. “Im vergangenen November waren wir in Kasachstan, jetzt vier Mal in Georgien. In Ländern wie Usbekistan, Pakistan aber auch in China gibt es so viele Berge, die niemand befahren hat. Das sind die Orte, die ich am spannendsten finde, wo niemand weiß, dass man dort Skifahren kann und es keine klassischen Skigebiete gibt. Dort kann man extrem cooles Zeug mit dem Heli machen und Skitouren gehen, um auf den Gipfel zu kommen.”
Den Sommer nutzt Tao, um sich körperlich optimal auf die Wintersaison vorzubereiten. Als er bei der Worldtour gestartet ist, hat er am Olympia Zentrum in Tirol trainiert.
“Mittlerweile fühle ich mich da aber nicht mehr so zugehörig, wenn dort die Athlet:innen für Olympia schuften (lacht). Ich bin mehr so der Outdoortyp und versuche viel draußen im Sommer zu wandern und mit dem Bike die Berge hochzufahren. Da ich oft Skitouren gehe, ist meine Ausdauer wichtig, da liegt im Training der Fokus. Hin und wieder muss auch eine Krafteinheit sein.”
Die körperliche Belastung an einem anstrengenden Tag mit vielen Sprüngen spürt er oft am nächsten Tag. Bei den Sprüngen federn Nacken und Beine in Extremsituationen das Mehrfache des Körpergewichts beim Landen ab. “BLACKROLL ist hier als Regenerationspartner extrem wichtig für mich. Mir tut abends alles weh und ich muss bei meiner After-Ski Routine erstmal meine Muskulatur bearbeiten. Zuerst rolle ich mich mit dem Rücken und den Beinen über die FASZIENROLLE, um die Muskulatur zu lockern. Dafür benutze ich auch die FASCIA GUN. Anschließend lege ich mich immer in die COMPRESSION BOOTS, damit die Beine wieder frisch werden. Mein Schlaf ist auch eine große Regenerationsquelle. Zuhause und auf Reisen darf das RECOVERY PILLOW nie fehlen.
Es gibt Orte, die das Herz der Freerider höherschlagen lassen. Japan sei sehr beeindruckend gewesen, so Tao, aber der Traum eines jeden Freeriders sei es, einmal in Alaska Ski zu fahren. “Seit ich 16 bin will ich dort unbedingt hin. Mein Kopf ist jetzt schon in Alaska, wo wir den ganzen April fahren und filmen werden. Die ersten Kontakte mit den Ski-Guides vor Ort habe ich schon, die ersten Fotos habe ich bekommen. Alaska ist DAS Projekt und mein Saison-Finale", sagt er mit funkelnden Augen.